Häftlingstheater: „Leonce und Lena“ im Palais Kabelwerk

Wien (APA) - Für Manfred Michalke ist die Zusammenarbeit mit Häftlingen nichts Neues. Bereits 2009 inszenierte der Theatermacher mit Insassen der Justizanstalt Gerasdorf das Stück „Gerettet“ von Edward Bond. Morgen, Dienstag, Abend feiert nun Georg Büchners „Leonce und Lena“ Premiere im Wiener Palais Kabelwerk, als Darsteller fungieren bei der Produktion des Wiener Vorstadttheaters Häftlinge der Justizanstalt Wiener Neustadt. Für Michalke ist „die Rückgewinnung des Selbstwertgefühls und damit verbundenes Sozialempfinden“ nur ein Aspekt der Bedeutung dieser Arbeit für Häftlinge, wie es in einer Aussendung hieß.

 

Die Aufführung von „Leonce und Lena“ sei letztlich eine Fortführung der Arbeit von 2009, vom damaligen Ensemble sich auch jetzt wieder eine Darstellerin und ein Darsteller vertreten. „Ein wesentlicher Faktor ist ebenfalls die Dauer der Beschäftigung von Inhaftierten, da dieser Einsatz ein intensives Interesse und persönliches Engagement erfordert“, so Michalke. Der freischaffende Regisseur arbeitete u.a. auch mit Asylwerbern und Flüchtlingen zusammen, mit denen er die Flüchtlingstrilogie „Warten auf Godot“, „Nachtasyl“ und „Endspiel“ im Palais Kabelwerk aufführte.

 

Michalke hebt neben der Bedeutung von Teamleistung im Entstehungsprozess des Theaterprojekts auch die öffentliche Wahrnehmung der Darsteller im kulturellen Kontext hervor: „Früher ‚Außenseiter‘, heute ‚Randgruppen‘ sind eine wesentliche Ergänzung im professionellen Kulturschaffen und müssen daher ihren Platz in der Öffentlichkeit behaupten.“ Das „Wiener Vorstadttheater - integratives theater österreichs“, welches 1994 von Michalke gegründet wurde, sei eine Plattform für Menschen, die vom professionellen Kulturbetrieb ausgeschlossen sind.

 

Dass die Theaterarbeit mit Häftlingen nicht immer ganz einfach ist, musste Michalke ebenfalls 2009 erfahren: Die Produktion „Gerettet“ sollte ursprünglich an der St. Pöltner Bühne im Hof, am Stadttheater Berndorf und am Akzent-Theater in Wien gezeigt werden. Knapp vor der ersten Vorstellung teilte die Vollzugsdirektion des Bundesministeriums für Justiz aber mit, dass vier der Darsteller aufgrund ihrer Verurteilung nicht außerhalb einer Justizanstalt auftreten dürfen, weshalb es letztlich nur zu einer einzigen Aufführung in Gerasdorf gekommen ist.

 

Gefördert wird das aktuelle Projekt vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur sowie der Kulturabteilung der Stadt Wien und wird darüber hinaus durch „Art for Art“, den Vereinigten Bühnen Wiens, der Rechtsanwaltskanzlei Lehner & Lehner sowie dem kulturellen Stadtlabor Palais Kabelwerk unterstützt. Der Reinerlös der insgesamt sieben Vorstellungen kommt den Darstellern als Starthilfe zu Gute.

 

(S E R V I C E - „Leonce und Lena“ von Georg Büchner; eine Produktion des Wiener Vorstadttheaters, gespielt von Insassen der Justizanstalt Wiener Neustadt, Regie: Manfred Michalke, Premiere am 21. Dezember, weitere Vorstellungen am 22. und 23. Dezember sowie von 19. bis 22. Jänner 2011, jeweils 19.30 Uhr, im Palais Kabelwerk, Oswaldgasse 35A, 1120 Wien. Tickets unter Tel. 01/802 06 50 und mailto:tickets@palaiskabelwerk.at; http://www.palaiskabelwerk.at)